Neulich in einem Park in Montreal:
Donnerstag, 21. Juli 2011
Geschichte eines Sohns
"Jetzt kannst du das machen, was ich seit den 70ern vorhabe"
Ende Januar 2011, Berlin. Ich sitze in einer spaeten Mittagspause in einem Cafe in Berlin Mitte. Schokokuchen, Fair Trade Tee der vielsagenden Sorte "Wintermischung" und die Botschaft, dass mein Visum fuer Kanada bewilligt ist. Erste Huerde im Verdraengunsprozess der noch kommenden, mehr oder weniger schwer zu nehmenden Organisationseinheiten, genommen, Flug kann gebucht werden und die Familie wird per Rundundkurznachricht informiert.
Es dauert nicht lange und die Antwort meines Pabs laesst mein Mobiltelefon vibrieren.
"Sehr schoen, Heinrich. Jetzt kannst du das machen, was ich seit den 70ern vorhabe. Gruesse, dein Papa."
Kuz und knapp, zeit-, generations- und iPhonebedingt, aber umso bedeutender, denke ich nach einem nicht besonderen Tag auf dem Weg zum Camp, Led Zeppelins Stairway To Heaven kreischt dazu aus den schlechten Vanboxen.
Der Tag beginnt wie immer, die Routine erlaubt ein spaetes Aufstehen um 6.20 Uhr, raus aus dem warmen Schlafsack und dem Thermoschlafanzug, rein in die kalten Arbeitsklamotten. Es ist wohl das erste Mal seit dem grandiosen Alter von 11 Jahren, dass ich einen richtigen Schlafanzug trage, ein tolles Gefuehl!
Die zwei Minuten Weg zum Kitchentrailer sind saukalt, es rettet mich der alte Wollpulli meines Pabs und heisser Kaffee mit Milch.
Essen fuer den Tag: Sandwich (Humus, gesalzene Butter, Gummikaese, Tomate, Salat, Zwiebeln, Gurke, Oliven), zwei Orangen, drei Aepfel, 2 Stueck Kuchen. Noch schnell etwas warmes mit viel Salz heruntergeschlungen und ab gehts mit Proviant und Wasterkanister in den Van, Schaufel und Plantingbags sind noch am Block.
Eine Stunde Fahrt zum Block durch die Waelder Northern Ontarios. Wie Streichhoelzer stehen sie da, die kargen Black Sproose, die zusammen zwar nicht einen nennenswerten Wald, aber irgendwann wohl grandioses Papier ergeben. Eine halbe Stunde Versuch von Schlaf, eine halbe Stunde Vorbereitung auf den Arbeitstag. Das Radio spielt Eric Clapton und spaeter Jimi Hendrix waehrendd Sonnencreme und Bug Reppelent auf Nacken und Nase verteilt, Lippenbalsam aufgetragen und die fuenf Finger der Plantinghand mit Ductape bandagiert werden. Schliesslich Schuhe schnueren und es kann losgehen.
Wirklich heiss bin ich heute und die letzten Tage nicht aufs Pflanzen, ich kann mir besseres vorstellen - Schlafen...
Aber egal, raus, Baeume geschnappt und pflanzen, pflanzen, pflanzen.
Der Tag geht schnell vorbei zu Goa, Electrosets und Avishai Cohen und die Gedanken sind ueberall und nirgends:
Wie waer es zum Beispiel, einfach mit dem Pabs ueber den Teich zu starten, sich ein Caravan zu mieten und durch British Columbia zu touren, vielleicht einen kurzen Abstecher in die Rockies zu wagen? Rumfahren, Natur leben mit kleinem Lagerfeuer am See, Angelkuenste erweitern, zwanzig Buecher lesen und eine in hoffentlichen den meisten Belangen entspannte Vater-Sohn-Zeit geniessen.
Ob das funktionieren koennte? Wahrscheinlich, trotz noch anhaltenden pubertaeren Entwicklungen und einem gewissen Freiheitsdrang der F1-Generation. Und vielleicht dann nicht morgen, aber sicherer als bald. Der Gedanke sei schon mal Zeuge des nahen Erreichen einer weiteren Entwicklungsstufe der Persoenlichkeit.
Man koennte den Highway langbrettern und Ten Years After oder Kyuss so laut hoeren, wie man es fuer angemessen haelt. Einzige entscheidende Anforderung an den Leihwagen, sehr gute Boxen und ein ordentlicher Analog-Digital-Wandler.
Dann aussteigen, Lumix und EOS gezueckt um Baeren zu fotografieren, den Hightech-Campingtisch fuer das Abendessen und das Skat-66-Spiel herausgestellt und Holz fuer das abendliche Lagerfeuer gesammelt. Das Gespraech, begleitet von kaltem Moosehead Bier aus dem caravaneigenen Kuehlschrank, dauert bis spaet in die Nacht. Es behandelt Geschichten, die man sich gegenseitig schon ein paar Mal erzaehlt hat, Ansichten der Moderne und Themen fuer die dann Zeit ist.
Und bestimmt erinnern wir uns gern an Tante Marianne, die immer genau 72 Jahre aelter als ich war und unter Duldung des Regimes Franzoesisch Kanada ein paar Mal bereist hatte.
Irgendwo verlieren sich solche Gedanken und entwickeln neue Kreise, deren Radien Kontaktpunkte zu anderen Themen knuepfen.
So sitze ich im Van und denke ueber meinen Pabs, Musik und eine Tour durch Kanada nach. Der Soundtrack fuer diese Gedanken ist im Kopf perfekt geplant. Und wann immer in unserer shuffle-gepraegten Zeit genau jenes Lied, um das die Gedanken kreisen, aus der 165,4 Gigabyte grossen und 82.796 fassenden Musikbibliothek gespielt wird, dann fuehlt man sich fuer einen Wimpernschlag der Realitaet maechtig ueber den Zufall. Als koennte man fuer moegliche Momente nicht nur die passende Playlist mit Musik fuettern, sondern genau jene Musik fuer den bestimmten Moment auswaehlen.
Ganz ohne Betaetigen des Skiptasters - schoen-bunt-droehnende Glitzerwelt.
Stairway to Heaven, ueberrascht mich in seiner ganzen Praesenz fast mit dem Gedanken, dass ich es zu dem besten zaehle, was es an Musik fuer mich gibt. Daran koennen auch langes Nichtbeachten in der Playlist oder Hypnorex' 8-Stunden-Sets nichts aendern.
Danke an intelligente DJ-Modes in Musikprogrammen, auch wenn ich euch nicht traue.
Ende Januar 2011, Berlin. Ich sitze in einer spaeten Mittagspause in einem Cafe in Berlin Mitte. Schokokuchen, Fair Trade Tee der vielsagenden Sorte "Wintermischung" und die Botschaft, dass mein Visum fuer Kanada bewilligt ist. Erste Huerde im Verdraengunsprozess der noch kommenden, mehr oder weniger schwer zu nehmenden Organisationseinheiten, genommen, Flug kann gebucht werden und die Familie wird per Rundundkurznachricht informiert.
Es dauert nicht lange und die Antwort meines Pabs laesst mein Mobiltelefon vibrieren.
"Sehr schoen, Heinrich. Jetzt kannst du das machen, was ich seit den 70ern vorhabe. Gruesse, dein Papa."
Kuz und knapp, zeit-, generations- und iPhonebedingt, aber umso bedeutender, denke ich nach einem nicht besonderen Tag auf dem Weg zum Camp, Led Zeppelins Stairway To Heaven kreischt dazu aus den schlechten Vanboxen.
Der Tag beginnt wie immer, die Routine erlaubt ein spaetes Aufstehen um 6.20 Uhr, raus aus dem warmen Schlafsack und dem Thermoschlafanzug, rein in die kalten Arbeitsklamotten. Es ist wohl das erste Mal seit dem grandiosen Alter von 11 Jahren, dass ich einen richtigen Schlafanzug trage, ein tolles Gefuehl!
Die zwei Minuten Weg zum Kitchentrailer sind saukalt, es rettet mich der alte Wollpulli meines Pabs und heisser Kaffee mit Milch.
Essen fuer den Tag: Sandwich (Humus, gesalzene Butter, Gummikaese, Tomate, Salat, Zwiebeln, Gurke, Oliven), zwei Orangen, drei Aepfel, 2 Stueck Kuchen. Noch schnell etwas warmes mit viel Salz heruntergeschlungen und ab gehts mit Proviant und Wasterkanister in den Van, Schaufel und Plantingbags sind noch am Block.
Eine Stunde Fahrt zum Block durch die Waelder Northern Ontarios. Wie Streichhoelzer stehen sie da, die kargen Black Sproose, die zusammen zwar nicht einen nennenswerten Wald, aber irgendwann wohl grandioses Papier ergeben. Eine halbe Stunde Versuch von Schlaf, eine halbe Stunde Vorbereitung auf den Arbeitstag. Das Radio spielt Eric Clapton und spaeter Jimi Hendrix waehrendd Sonnencreme und Bug Reppelent auf Nacken und Nase verteilt, Lippenbalsam aufgetragen und die fuenf Finger der Plantinghand mit Ductape bandagiert werden. Schliesslich Schuhe schnueren und es kann losgehen.
Wirklich heiss bin ich heute und die letzten Tage nicht aufs Pflanzen, ich kann mir besseres vorstellen - Schlafen...
Aber egal, raus, Baeume geschnappt und pflanzen, pflanzen, pflanzen.
Der Tag geht schnell vorbei zu Goa, Electrosets und Avishai Cohen und die Gedanken sind ueberall und nirgends:
Wie waer es zum Beispiel, einfach mit dem Pabs ueber den Teich zu starten, sich ein Caravan zu mieten und durch British Columbia zu touren, vielleicht einen kurzen Abstecher in die Rockies zu wagen? Rumfahren, Natur leben mit kleinem Lagerfeuer am See, Angelkuenste erweitern, zwanzig Buecher lesen und eine in hoffentlichen den meisten Belangen entspannte Vater-Sohn-Zeit geniessen.
Ob das funktionieren koennte? Wahrscheinlich, trotz noch anhaltenden pubertaeren Entwicklungen und einem gewissen Freiheitsdrang der F1-Generation. Und vielleicht dann nicht morgen, aber sicherer als bald. Der Gedanke sei schon mal Zeuge des nahen Erreichen einer weiteren Entwicklungsstufe der Persoenlichkeit.
Man koennte den Highway langbrettern und Ten Years After oder Kyuss so laut hoeren, wie man es fuer angemessen haelt. Einzige entscheidende Anforderung an den Leihwagen, sehr gute Boxen und ein ordentlicher Analog-Digital-Wandler.
Dann aussteigen, Lumix und EOS gezueckt um Baeren zu fotografieren, den Hightech-Campingtisch fuer das Abendessen und das Skat-66-Spiel herausgestellt und Holz fuer das abendliche Lagerfeuer gesammelt. Das Gespraech, begleitet von kaltem Moosehead Bier aus dem caravaneigenen Kuehlschrank, dauert bis spaet in die Nacht. Es behandelt Geschichten, die man sich gegenseitig schon ein paar Mal erzaehlt hat, Ansichten der Moderne und Themen fuer die dann Zeit ist.
Und bestimmt erinnern wir uns gern an Tante Marianne, die immer genau 72 Jahre aelter als ich war und unter Duldung des Regimes Franzoesisch Kanada ein paar Mal bereist hatte.
Irgendwo verlieren sich solche Gedanken und entwickeln neue Kreise, deren Radien Kontaktpunkte zu anderen Themen knuepfen.
So sitze ich im Van und denke ueber meinen Pabs, Musik und eine Tour durch Kanada nach. Der Soundtrack fuer diese Gedanken ist im Kopf perfekt geplant. Und wann immer in unserer shuffle-gepraegten Zeit genau jenes Lied, um das die Gedanken kreisen, aus der 165,4 Gigabyte grossen und 82.796 fassenden Musikbibliothek gespielt wird, dann fuehlt man sich fuer einen Wimpernschlag der Realitaet maechtig ueber den Zufall. Als koennte man fuer moegliche Momente nicht nur die passende Playlist mit Musik fuettern, sondern genau jene Musik fuer den bestimmten Moment auswaehlen.
Ganz ohne Betaetigen des Skiptasters - schoen-bunt-droehnende Glitzerwelt.
Stairway to Heaven, ueberrascht mich in seiner ganzen Praesenz fast mit dem Gedanken, dass ich es zu dem besten zaehle, was es an Musik fuer mich gibt. Daran koennen auch langes Nichtbeachten in der Playlist oder Hypnorex' 8-Stunden-Sets nichts aendern.
Danke an intelligente DJ-Modes in Musikprogrammen, auch wenn ich euch nicht traue.
Also warum nich? Die 70er sind 40 Jahre her, Alter Herr.
Alles Gute.
(geschrieben Anfang Juni '11)
Ein paar Fotos
Erste Woche Treeplanting
Zweite Woche Treeplanting
Dritte Woche Treeplanting
https://picasaweb.google.com/107513406678171121677/Treeplanting3rdWeek?authkey=Gv1sRgCK72qc30zqqDowE#slideshow/5629306944612767490
https://picasaweb.google.com/107513406678171121677/Treeplanting3rdWeek?authkey=Gv1sRgCK72qc30zqqDowE#slideshow/5629306944612767490
Vierte Woche Treeplanting
Fuenfte Woche Treeplanting
Sechste Woche Treeplanting
Siebente Woche Treeplanting
Achte Woche Treeplanting
Freitag, 8. Juli 2011
Neue Bilder - Treeplanting Zweite Woche
| irgendwo im wald |
| ich irgendwo im wald |
| liegt hier alles rum im wald |
| see, nebel, wald |
| maja, tochter der kuechinchefin |
| lagerfeuer |
| neal, annie |
| lagerfeuer, salat |
| lagerfeuer |
| lagerfeuer |
| lagerfeuer |
| einpacken, camp umziehen, 20 h fahrt |
| rotkaeppchen |
| nolan, wasserrohr |
| packing up |
| manche tun nich so viel... :) |
| sarah, crewbossin |
| andere gucken nur umher |
| oder hierhin |
| nolan |
| john |
| kyle |
| andere stehen herum |
| neue sachen fuer jeden der will von allen die nicht mehr wollen |
| fisch? |
| im van, 20 h fahrt vor uns |
| im van, 20 h fahrt vor uns |
| im van, 20 h fahrt vor uns |
| im van, 20 h fahrt vor uns |
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