Donnerstag, 15. September 2011

Vier x Gewalt o Eins

Ich sitze im Bus 629B von der Uni nach Hause. Diese Strecke bedeutet: 45 Minuten zum Lesen, wenn man einen Sitzplatz ergattert. Ansonsten ist im Bus stehen und sich krankhaft an den Haltestangen versuchen festzuklammern nicht die tollste Freizeitbeschaeftigung. Mit Busfahrern, die auf der kaum befahrbaren Haltespur wie vom Teufel geritten durch Schlagloecher ballern, wenn sich auf der eigentlichen nichts bewegt. Heute habe ich so einen temporaeren Leseplatz in der Fuenferreihe ganz hinten im Bus und widme mich, mit gelegentlichen Beobachtungspausen anderer Passagiere, ganz Patti Smith‘ ausdrucksstarker Sprache und interessanten Anfaengen als Kuenstlerpaar zusammen mit Robert Mapplethorpe in „Just Kids“.

Neben mich setzt sich nach wenigen Stationen ein Student, Mexikaner, Ledertasche, schwarze Hornbrille, kakifarbene Hosen, Drei-Tage-Bart. Zurueck bin ich im New York der spaeten Sechziger, wo man auf der Treppe vom Max’s Kansas City noch einen Jimi Hendrix treffen konnte.
Mein Nachbar steht auf, verlaesst den Bus und ein Mexikaner aus den vorderen Reihen hat anscheinend genug von seinem Sitznachbar und setzt sich neben mich. Da so ein Sitzwechsel nicht unbedingt normal ist, werde ich ein wenig nervoes, mein Portemonait Oberschenkel an Oberschenkel mit meinem Nachbarn wissend. Ich lese Patti Smith‘ Gedanken ueber die Unmoeglickeit zu diesem Zeitpunkt fuer sie in dieser Zeit mit Kunst Geld zu verdienen, gucke aus dem Fenster auf die vorueberziehenden Laeden, die die Kulisse langsam in Innenstadt verwandeln, checke meine linke Hosentasche nach dem Relief meiner Brieftasche, lese mein Buch, gucke die Strassen entlang, checke meine Hosentasche, lese, gucke, checke.

Alles gut, nur der Mexikaner, der da noch ein wenig unruhig neben mir hin und her rutscht, laesst mich weiterhin gelegentlich den Check vollziehen. Wir haben inzwischen die Avenida Americas ueberquert und das heisst, in ca. zehn Minuten bin ich am Parque de la Revolucion und von dort sind es noch fuenf Minuten Fussweg nach Hause. Umsteigen muss ich zum Glueck nicht. 
Also noch einmal Zeit fuer den Hosentaschencheck und der Magen zieht sich zusammen, nun bin ich unruhig, wie duenn kann das Portemonait geworden sein? Ich wuehle in meiner Hosentasche, aber natuerlich ist es nicht da. Nun vollkommen unsicher geworden, wuehle ich auch meinen Rucksack, meine Sporttasche, meine rechte Hosentasche durch und schaue auf dem Fussboden nach, um dort nirgendwo fuendig zu werden.
Ich schaue meinen Nachbarn an, in solchen Momenten ist es extrem schwierig Spanisch zu sprechen, und bringe nur ein hilfloses: „Donde esta mi...“ heraus. Er guckt mich ueberrascht an, meint, ob ich glaube, dass er sie habe. Nein, dass natuerlich auch nicht, wir wollen ja niemandem etwas boeses unterstellen. Von meinem guten Willen ueberzeugt, zeigt er selbigen und hilft mir beim Suchen. Links neben sich, nichts, und rechts neben sich, wo ich sitze, auch nichts. Nicht weniger skeptisch geworden durch seinen Eifer, gucke ich ihn an und da springt er nun voellig unschuldig auf und zuckt mit den Achseln. Sein Fehler, mein Glueck oder doch einfach nur Zufall, liegt genau dort, wo er vorher gesessen hat, mein braunes Etwas von Portemonait und ich gebe zu, wiederum faellt mir so mancher meiner beruehmter Steine vom Herzen. 

Erleichtert packe ich den Briefbeutel in meine rechte Hosentasche und da fragt er mich, ob ich jetzt glauben wuerde, er haette sie dort versteckt. Nein, natuerlich nicht, beschwiftige ich und versuche die folgenden, weiterhin nervoesen Fragen nach seiner Gutwilligkeit zu ignorieren, bis er schliesslich drei Stationen vor meiner aussteigt.

(geschrieben Mitte September '11)

Vier x Gewalt o Zwei

Sie ziehen vorbei wie Boote im Fahrwasser des sonst so beschaeftigten, anonymen Verkehrsfluss in Richtung Kathedrale. Sehr langsam, aber angemessen lassen sie ihr Gefaehrte an diesem Sonntag ueber den Asphalt rollen. Wagen nach Wagen nach Wagen nach Wagen zieht an mir vorbei. Es sind nicht unbedingt viele, vielleicht fuenfzehn, aber durch das geringe Tempo fuehlt sich das Passieren eines jeden Teilnehmers dieses Zug an wie eine halbe Ewigkeit.

Sonntagnachmittag, ich bin auf dem Weg zu Pierres, Mars und ein Haufen anderer Austauschstudenten Haus, das Wochenende ausklingen lassen. Ausgeschlafen, noch ein wenig dizzy in der Birne, aber gut gelaunt gehe ich mit einem Alle-Farben-Mix die Calle Hidalgo hinunter. Hier tut sich heute kaum was, Guadalajara hat gestern abend wieder einmal bis spaet in die Nacht getanzt und alle, die es doch nicht im Bett aushalten konnten, sind aufs Land oder auf die Kunstmaerkte in Tonala und Tlaquepaque gefahren.
So in der angenehm waermenden Sonne spazierend denke ich nicht viel, vielleicht kommt es zum Versuch der Rekonstruktion der letzten Nacht, oder der Beweisfuehrung, dass man nichts besseres an diesem Tag machen koennte, als sich auf den Weg durch die bunte Stadt zu neuen Freunden zu begeben.
Ein erstes Auto faehrt an mir vorbei, sehr langsam, so dass ich hinein schauen und die Insassen sehen kann, vorne der Vater mit Schnauzbart, daneben die Mutter, die beideren hinten sitzenden jungen Maedchen kann ich durch die etwas getoenten Scheiben kaum sehen, sie erscheinen 16- bis 18-jaehrig . Auch ich werde kurz wahrgenommen, aber das Auto ist schon an mir vorbei und ich wieder bei meinen eigenen Gedanken, ein wenig nachdenklich, ob der seltsamen Fahrtweise dieser Familie.
Ein zweites Auto folgt, faehrt sehr langsam an mir vorbei, so dass es mich wieder aus meinen Gedanken holt und sie in der Wiederholung der Szenerie nun auf das Geschehen auf der Strasse fuehrt. Ein sehr altes Ehepaar sitzt in der Fahrerkabine, dahinter drei rundliche Damen, dunkle Kleidung, ich sehe Blumen. Ich schaue dem erstenWagen hinterher, der sich noch keine zehn Meter entfernt hat, versuche vor ihm einen Grund fuer die langsame Fahrweise zu entdecken, der meine Vermutungen widerlegt.
Es rollt das dritte Auto an mir vorbei, ich erlaube mir dieses mal keinen Blick auf die Insassen, versuche mit einem Blick die Strasse herunter zu erraten, wie lang dieser Trauerzug ist.

Sie ziehen vorbei wie Boote im Fahrwasser des sonst so beschaeftigten, anonymen Verkehrsfluss in Richtung Kathedrale. Sehr langsam, aber angemessen lassen ihr Gefaehrte an diesem Sonntag ueber den Asphalt rollen. Wagen nach Wagen nach Wagen nach Wagen ziehen an mir vorbei. Es sind nicht unbedingt viele, vielleicht fuenfzehn, aber durch das geringe Tempo fuehlt sich das Passieren eines jeden Teilnehmers dieses Zug wie eine halbe Ewigkeit an.

Eine Ewigkeit, die sich zuerst unerwartet in den Mittelpunkt rueckt. Ich fuehle mich unwohl auf dem Buergersteig mit meiner vor der kurzen Zeit einer halben Ewigkeit verdraengten guten Laune, versuche Grund und Reaktion von Aktionaeren und Partizipenten in so einem Moment zu verstehen und begreife mit zunehmender schlichter Anteilnahme, das genau damit etwas Wunderbares passiert. Zaghaft schaue ich wieder zu den Autos, die inzwischen bei Nummer neun oder zehn sind, nicht um hinein zu blicken sondern um nicht wegzuschauen, das zu zeigen, was ich gerade denke, fuehle. Und so ziehen Wagen elf, zwoelf, dreizehn und irgendwann das Ende der Gemeinschaft an mir vorbei. Der Sonntagnachmittag, der so unbeschwert sein sollte, hat mir einen Moment der Anteilnahme an unbekannter Trauer gegeben.
Es dauert eine Weile nachdem alle Wagen an mir vorbeigerollt sind, bis mir zwei bis drei meiner beruehmten Steine vom Herzen fallen, ich aber trotzdem noch ziemlich gedankbefreit meinen Weg zu dem Haus der Studenten fortsetze. Kurz nach meiner Ankunft muss ich  Pierre diese unerwartet traurige Geschichte erzaehlen und er bestaetigt mich: „Man that’s really a sad story“.

(geschrieben Mitte Septemeber '11)

Vier x Gewalt o Drei

Wir waren in Tlaquepaque, Kunstgegenstaende kaufen. In diesem suedoestlichen Teil Guadalajaras hat sich vor einiger Zeit die Handwerker- und Kunstszene zusammengefunden und seither verlaufen sich viele mexikanische und auslaendische Touristen zu den Markttagen hierher. Und mitten drin wir; Armbaender, Ohrringe, Ketten, Taschen, Mayakalender auf runden Tafeln, Rebhuehner aus blauem Ton, Eise und anderen Schnickschnack kaufend. Dennis, Alex, ich und Frankie, welche in der Schmucksektion definitiv den Baerenanteil gekauft hat, um ihren Hippiestil weiter auszubauen.

Nach nem Bierchen bei mir zu Hause gehen Denis, Alex und ich noch raus in die Nacht, die inzwischen angefangen hat, um uns eine nette Bar oder einen netten Klub zu suchen, den Tag ausklingen oder die Nacht beginnen lassen. Wir laufen die Hidalgo herunter hin zur Chapultepec als einhundert Meter vor uns ein Polizeiauto am Strassenrand sichtbar wird, Strasse und Buergersteig sind in Rot- und Blaulicht getaucht. Es handelt sich um einen der Jeep Pick-Ups der Polizei Guadalajara auf dessen Ladeflaeche man hin und wieder mal die Spezialeinheiten mitfahren sieht, gekleidet in schwarze Masken und Ruestungen, dessen Waffen man bei Counterstrike mit dem Tastenkuerzel B-4-4 als Mitglied der GUTEN kaufen konnte.
Wir bleiben weiter im Gespraech vertieft, ohne die Konzentration auf die Szene, die dort vor uns ablaueft, zu verlieren. Wir kommen naeher und erkennen die beiden Polizisten - die Spezialeinheit ist nicht dabei, die Polizei faehrt heute „nur“ Streife. Auf zwanzig Meter herangekommen bricht das Gespraech, nicht abrupt, aber schon situationsbedingt ab. Wir sehen die drei Mexikaner, die an den Polizeiwagen lehnen, die Haende auf dem Ruecken. Im ploetzlich grellen rot-blauen-Partylicht laufen wir unter den Augen der Polizisten mit starr geradeaus gerichteten Blicken wie ungebetene Statisten ueber die Buehne eines Polizeieinsatzes an einem Samstagabend in Guadalajara. Ein erster immer mindestens zwei Koepfe groesser als der Durschnittsmexikaner, ein zweiter mit Dreads und in Outdoorsandalen und ein dritter mit blonden, wallendem Haar, der gerne zur Ablenkung „Sun Is Shining“ pfeiffen wuerde. Nein, ich will morgen keine Zeitungsartikel in Mexiko, Deutschland und Australien und die wird es auch nicht geben. Der Gedanke allerdings existiert. Was passiert, wenn einer der Maenner, die hier so fein ihre Haende hinter den Ruecken halten, die Nerven verliert?

„Krass, wir haetten auch die Strassenseite wechseln koennen, Jungs“, sage ich als wir die Szene verlassen. Nur haben wir es nicht getan. Warum? Weil wir wissen, dass es (zumindestens hier in Guadalajara) nicht so ablaeuft, wie man in den Medien ueber Mexiko versucht zu berichten?
Wohl nicht ganz.

(geschrieben Mitte September '11)

Vier x Gewalt o Vier

Es gibt ein Donnern ueber Gudalajara. Ein bis zweimal am Tag, besonders wenn es nach Gewitter aussieht, geht ein babamm, babamm, bam bam bam durch die Stadt. Zwischen den Sicherungsleinen der Funkmasten, die in der Stadt verteilt ueber die zum Grossteil nur zwei- bis dreistoeckigen Haeuser ragen, bildet sich bei erhoehtem Luftdruck ein elektrostatisches Feld, welches bei Ueberspannung zu Funkenentladungen fuehrt und von einem Donnern gefolgt wird.
Montagabend, wir sind auf der Suche nach einem Amuesement. Die Wahl besteht in so einem Fall zwischen den typischen Taqueria oder Salsabars, kubanische Clubs und Tortaria; und eben den Vertretern europaeischer Ausgehkultur in Guadalajara.
Angefangen zum Beispiel bei dem Cafe Madrid im Zentrum, welches eine Symbiose aus mexikanischem Essen und madrilenischem Interior darstellt. Hier wird man im weissen Frack bedient und kann einfach ein wenig Cafeflair geniessen, was sonst eher eine Seltenheit ist in dieser Stadt. Oder natuerlich die Bar Americas, welche ein kleines Stueck Heimat ist fuer alle von der elektronischen Musik alleingelassenen Berliner, Niederlaender und Franzosen und wo am 27. Oktober Matthias Kaden vom Label Freude Am Tanzen auflegt. Und dann gibt es da noch irische Pubs, Pizzerias und das, als globales Beispiel und auch auf dem Campus unserer Fresa*-Schule vorhandene, Starbucks Cafe.
Die Bar Scratch (<el skratsch>) soll heute unser Ziel sein, wo man an der getaefelten Bar sitzt, montags auf Promotion einen grossen Humpen Bier fuer 17 Pesos (ein Euro) bekommt und die Barbesitzer den ganzen Abend Musikvideos aus ihrer geschaetze 800 DVDs umfassenden Sammlung praesentieren. Ein besonderes Schmankerl heute Abend ist das Konzert mit Orchester von Portishead, im Roseland, NYC. Beth Gibbons haucht ihr „Only You“ zu einer Triphop meets Programmmusik Begleitung ins Mikrofon und wird am Ende durch ein Orgelsolo abgeloest, untermalt mit Streichern und einer Beat/Sound-Collage. (http://www.youtube.com/watch?v=sQRBgv4ri_Y)
Draussen auf andere Studenten wartend, die zu unserer Gruppe aus vier Mexikanern und mir stossen wollen, komme ich ins Gespraech mit Alex, dem Tuersteher. Nach anfaenglichen Abmuehungen meinerseits auf spanisch, wechselt er ziemlich bald in perfektes American English. Er komme aus Oklahoma City, ist da in den Ghettos gross geworden und wohnt inzwischen seit fast vier Jahren hier in Guadalajara. Ich bin froh an diesem Abend mal englisch zu reden und so entwickelt sich ein Gespraech, indem wir austauschen, was wir so machen mit unserem Leben und welche Prinzipien uns wichtig sind.
 Ja, er hat jetzt irgendwann seinen Platz gefunden fuer die naechste Zeit, mit seiner kleinen Familie, ein Sohn einer mexikanischen Frau, und einem eigenen Bikeshop, was schon immer sein Traum gewesen ist. Vorher in OKC waren es schon andere Zeiten, er hat immer an Motorrads rumgeschraubt, auch dort und in den Gangs rumgehaengen und so einiges gesehen. Ja, Afghanistan war er, erzaehlt er mir ohne Nachfrage, es sei schon sehr verschieden von alledem was man hoert und man sich vorstellen kann. Aber wenn man, so wie er, aus einer bestimmten Richtung kommt, dann gefaellt einem das. Das kann ich mir wohl nicht vorstellen, nein, antworte ich und er beschwiftigt, ja, „everything’s alright, everything’s alright.“
Ich erzaehle ihm ein bisschen von meinen Reisen, von Kanada, im Wald campen, Montreal, Vancouver, Seattle und ja, er habe auch erst letztes Jahr erst eine Tour gemacht. Mit seinem Motorbike Kawasaki Z750, ganz allein, einfach vier Wochen durch die Staaten. „Einmal hoch nach Denver und dann ueber Kansas City, OKC, Dallas, Houston und San Antonio zurueck zur Grenze nach Mexiko. Zwischendurch garnichts, stundenlang nur eine Strasse und vielleicht mal Wald“, erzaehlt er mir. Ja das kenne ich, denke ich, will ihm von meinen Schwedentouren mit dem Fahrrad erzaehlen, aber er ist jetzt richtig in Fahrt gekommen und erzaehlt von schaebigen Motels und den Moskitos die im Sommer zur echten Plage werden. „Gepaeck braucht man nicht viel, eine Tasche mit dem wichtigsten Zeug, sein Motorrad und einen Schlafsack“, in dem er sich, wenn bis Anbruch der Dunkelheit kein Quartier aufzufinden war, einfach neben seine Maschine legt.
Genauso auch nach einer stundenlangen Fahrt durch den Wald, „einfach ein Plaetzchen nahe der Strasse gesucht, kleines Feuer und in den Schlafsack fuer die Nachruhe“. Am naechsten Morgen wird er aufgeweckt von einer fremden Stimme, schaut in ein Gewehrrohr, dann daran vorbei in das Gesicht eines baertigen Anderen: „Gib mir die Schluessel fuer deine Maschine, Alter“. „Everthing’s alright, everything’s alright“ beschwiftigt er und gibt zu verstehen, dass er dafuer seinen Schlafsack oeffnen muesste. „Langsam tastete ich nach dem Reissverschluss meines Schlafsacks, ihm die ganze Zeit direkt in die Augen schauend. Ich ziehe in ruhig mit meiner linken Hand herunter, meine P-8 immer in meiner rechten Hand.“ Er zeigt mit einer Handbewegung wie er die Waffe haelt, waehrend er schlaeft.  „‘Everything‘s allright, everything‘s allrigt‘, sage ich zu ihm, waehrend der Reissverschluss beinahe den Griff meines Babys beruehrt. Zack, eine Bewegung und bam, bam, bam!“, sagt er zu mir, in der Veranschaulichung die Hand in typischer Gangsterhaltung in die Luft haltend, dort wo der Kopf des Anderen sein sollte.
Ich gucke ihn mit grossen Augen an, „Ich gebe nicht mal so eben meine Maschine her, das ist wohl klar“ antwortet er ein wenig unsicher nach Beenden der Geschichte. Und obwohl ich vorsichtig Verstaendnis murmel, da mir nichts besseres einfaellt, wird ihm wohl klar was fuer eine Geschichte er da grad diesem kleinen, suessen Touristen erzaehlt hat und murmelt sein „Everthing’s alright, everything’s alright“ und verschwindet nach drinnen, etwas erledigen. Ich bleibe noch draussen, denke darueber, was ich vielleicht falsch verstanden haben koennte und da rollt es wieder heran babam, bababam, bam, bam, bam, das Donnern ueber Guadalajara.

 (geschrieben Mitte September '11)
 
*Fresa – eigentlich Erdbeere, in diesem Zusammenhang in Sinne von snobistisch, hochnaesig ua.

Ein Abend mexikanischer Musik

Precopa – Vorgluehen, Warmlaufen, den Abend antesten, ist ein wichtiger Bestandteil der mexikanischen Sonabendnachmittagkultur. So geht man zu 17 Uhr in die Eckkneipe, fuer Eiswuerfel im Glas, soziale Kontakte und um sich geistig und moralisch auf den Abend vorzubereiten. Oder da sind die Salsaklubs, die schon den ganzen Nachmittag tanzen und ebenfalls nach der biologischen Uhr mit Tequila und Eis und Wasser beginnen. Und natuerlich zu Hause mit drei, vier Leuten, die abwechselnd Youtube-DJ sein duerfen, dazu Buntglasbecher mit Whiskey und Eis und Gespraeche ueber den vergangen Abend und Definitionen von Musik.
So fahre ich an einem Samstagnachmittag gegen 18 Uhr mit dem Fahrrad durch die Strassen, was nun moeglich ist, da es vergleichsweise keinen Verkehr gibt. Ohne Kopfhoerer, denn dankenswerterweise ist die Stadt voller Musik. Bis hinaus auf die leeren Strassen schallt die Salsamusik und mit ein wenig Glueck und langsamen Fahrttempo kann man auch einen Blick in die vollen Tanzsaaele*erhaschen. Eigentlich auf der Suche nach Laeden fuer gebrauchte Musikinstrumente, komme ich zwar ohne Ergebnis fuer den urspruenglichen Grund der Stadtrundfahrt, dafuer aber mit Lust auf mehr mexikanische Musik zu Hause an.

Ich bin verabredet, doch Oscar, mein Mitbewohner und Guide durch das Leben in Guadalajara, weiss bessere Plaene fuer mich. Ich disponiere kurz um, lade die Schweizer Matteo und Jonas, zu uns ein und schon sitze ich, meinen Buntglasbecher in der Hand, im Wohnzimmer und wohne einem Vorspiel der Música mexicana bei:

 

Die Exposition uebernehmen JORGE NEGRETE  im Duett mit PEDRO INFANTE zu „Coplas“ (http://www.youtube.com/watch?v=Ec3m2J1n5_4)aus dem Film „Dos Tipos de Ciudado“. Nach weiteren mexikanischen Schlagern wechselt in einem der naechsten Videos die Musik hin zu der Musikvideokunst des spanischen Popartisten TONINO CAROTONE.  „Me Cago En El Amor“ (http://www.youtube.com/watch?v=7tkLc2npBZg) ist hier stilechter Vertreter der mexikanischen 90er. Gefolgt wir dieser spaeter von Salsamusik mit dem wundervollen Youtubelabel „Salsa Music Video Mix“ (http://www.youtube.com/watch?v=Mv1ZsSrE03o) mit fast 8 Millionen Klicks, dessen Musik von Claudia vorgeschlagen wurde. Der Vox-Gitarrenverstaerker schreit sich mit gestiegener Lautstaerke sich nicht nur bei diesem, sondern auch zu dem Electromix von „Canción del Mariachi“ (http://www.youtube.com/watch?v=NAFIthjghaY) seine Transistoren kaputt, um mit den ebenfalls anschwellenden  Stimmen meiner Mitbewohner mitzuhalten. Letzteres Lied ist seineszeichens Titeltrack vom Desperados Soundtrack und wird interpretiert von ANTONIO BANDERAS hoechstselbst und begleitet von LOS LOBOS.

Inzwischen hat eine aeltere Dame durch die brauenen Gitterstaebe unseres  franzoesischen Fenster uns nicht etwa zur Reduzierung der Lautstaerke aufgerufen, sondern fordert uns die Faust erhoben zum Salut auf und gibt uns folgend eine kurze Kostprobe ihrer nicht verlernten Tanzkunst.

Vielleicht von ihr inspieriert, darf auf jeden Fall an an so einem Abend CHAVELA VARGAS nicht fehlen. Mit des Zitterns wuerdiger Stimme und doch sehr eindringlich singt die mexikanische Grand Dame mit costa-ricanischen Wurzeln voller Inbrunst das Frida Kahlo Lied „La Llorona“ 

(http://www.youtube.com/watch?v=0gQ31m4Yt0s). Langsam fuellt sich das Haus. Matteo schaut mit seinem breiten schweizer Grinsen von draussen herein, als der puerto-ricanische Saenger HECTOR LAVORE gerade seinen „El Cantate“ http://www.youtube.com/watch?v=uagxHHVMobY  praesentiert. Und waehrend ich ihm die Tuer oeffne, verlangen zwei mexikanische Maedchen den Eintritt fuer unsere kleine Fiesta. Ein wenig spaeter sitzen dann auch noch ein Freund von Oscar und ein argentinisches Maedchen auf unserem Sofa und stimmen mit ein in den Chor, der eine Sammlung mexikanischer Indifikationsmusik praesentiert.


Ein wenig spaeter am Abend leiste ich meinen materiellen Beitrag und koche Pasta mit Thunfisch und Gemueseallerlei in einer Chili-Limetten-Sahnesauce. Am Herd gibt das erste leichterfallende Gespraech, welches nicht nur Ausdrucksfehler enthaelt, mit dem argentischen Maedchen, Lu. Im Innenhof tanzt Hugo mit den beiden mexikanischen Maedchen und macht seine fehlende Tanzkunst durch Spaesse wett, was sich beides ja gut dank neu gekauften Bier vereinen laesst. Ich zeige Matteo kurz die Wohnung waehrend die Spaghetti kochen, mein noch spaerlich eingerichtetes Zimmer und unsere Dachterasse, von wo man die drei Kirchen mit drei jeweils blauen bzw. roten Neonkreuzen sehen kann. Der Verstaerker kreischt immer noch auf mexikanisch, als das Essen servierfaehig ist und bietet, ein wenig in der Lautstaerke gezuegelt, die perfekte Untermalung fuer das laermende Futtern.
Ich bin an diesem Abend bemerkenswert zurueckhalten mit der Musikwahl, allein MANU CHAOS „Welcome to Tijuana“ 
(http://www.youtube.com/watch?v=MwTbzpBKbD) und RACIONAIS MC’s mit „Magico de Oz“ (http://www.youtube.com/watch?v=n5ZPKY_6lDQ) traue ich mir als eingebettete Vertreter meiner Musikbibliothek zu. Der Hip Hop aus Sao Paulo wird allerdings schnell durch ein Lied zum Mitsingen ersetzt, was ich diesem Moment gerne ueber mich ergehen lasse. Lu fuegt dem ganzen Lieder aus ihrem Austauschjahr in Italien hinzu und singt jene wie vorher einige spanischsprachige mit voller Stimme.
Ein gute Precopa mit neuen Gesichtern und Liedern; Matteo nimmt noch ein Nap und ich bekomme das Versprechen alle Musik des Abends zu erhalten, bevor es auf geht in eine Nacht, die ohne Wert bleibt.


(geschrieben Mitte September '11)


*Das ist, beiseite erwaehnt, die korrekte Schreibweise fuer eine Schrift ohne Umlaute


Montag, 12. September 2011

Ein guter Tag

Heute wache ich um 9:20 Uhr auf, wie immer in diesen Tagen durch das Klingeln meines Reiseweckers, doch es ist Day Off. Verkatert, aber nicht voellig tot von der letzten Nacht, verlasse ich in relativ ziviler Kleidung mein Zelt, suche nach etwas Essbarem und sitze schon im Van. Es geht in die Stadt, besser Geraldton, Kleinstadt in der Umgebung. Liebes, kleines, creapyeskes Geraldton. Uninspiriert spiessige Kastenhaeusschen mit Vorgaerten, 3500 Einwohner, die nicht besonders beschaeftigt erscheinen, von Alkohol und Zigaretten gezeichnete Natives, Kraehen, drei Hardwarestores, zwei Chinarestaurants, zwei Stripclubs, das Cafe Popeye .
Weiterhin ein LCBO-Weinladen, der Radeberger und Becks fuehrt, ein The-Beer-Store (beides staatlich) und die Oase der Treeplantergemeinschaft: Die Laundymat Buzzy Bee. Wir verbringen an unseren Days Off viel Zeit in den Laundrymats (70 Treeplanter, je 10 Waschmaschinen und Trockner), besonders wenn das Wetter schlecht ist, aber heute ist ein schoener Tag; Sonne, 25 Grad.
Nachdem eine freie Waschmaschine gefunden ist, gehen wir mit John, Jyle, Gab und Nolan zu Popeye's, wo wir nebem dem Fruehstueck: Kaeseomelette, Bratkartoffeln, Toast, Ketchup, Rosinenbrot;
auch unseren ein wenig ernuechternden Paycheck fuer die ersten zwei Wochen bekommen. Es folgt ein von einem uninspirierten Geschaeft ins naechste Stolpern und zweieinhalb Stunden spaeter und um lebensnotwendige Dinge wie Flip Flops, Kaugummies und Sicherheitsbrille reicher faellt uns ein, das wir lansgam mal die Waesche aus der Waschmaschine in den Trockner packen koennten und nehmen das auch sofort mit voller Energie in Angriff.

Nach getaner Arbeit fuehrt uns der Weg in den fuer mich viel zu grossen Supermarkt der Kleinstadt. Essen fuer heute Abend: Naan-Brot und Spinatcremedip und fuer zwischendurch wahnsinnig gute Reese-Erdnussbutter-Schokotoertchen. Die 20 Minuten Weg durch das langgezogene Geraldton hat sich nicht nur fuer das Essen gelohnt, es gibt hier auch das einzige Muenztelefon der Stadt. Ich lege mich zu anderen Gefaehrten in die Sonne auf den Rasen vor dem Supermarkt und lese das perfekte Kunstprodukt an Buch von Rafael Horzon: "Das weisse Buch", waehrend vor mir drei andere Treeplanter ihre Muetter, Vaeter, Onkel, Tanten, Freundinnen, Hunde, Nachbarn anrufen.
Das Warten ist mir heute egal, ich habe frei, geniesse die Sonne und sinniere in den formschoenen Gedanken Horzons.
Schliesslich am Telefon tausche ich mit beiden Elternteilen kurz das Wichtigste aus, klaere mit der Mama Buerokratisches und rede mit dem Pabs ueber Musik. Wir teilen leider zeitlich begrenzt und raeumlich getrennt die Trauer um meinen 6 Tage zuvor verstorbenen Onkel Ottmar, den kleinen Bruder meines Opas, der mich bei meinem letzten Besuch ziemlich genau vor einem Jahr auf die Idee einer Hitchhikingtour durch Suedschweden mit Franz und Alex, dem Bayer gebracht hat.
Es ist schon ein bisschen unwirklich in so einem Moment weiter weg als gewoehnlich zu sein und zusammen mit John, guten Gespraechen und einem Stopp fuer ein Eis zurueck zur Waescherei zu gehen, um dann doch schon nach weiteren zwei Stunden die Waesche aus dem Trockner zu holen.

Fuer eine Stunde will ich in die Bibliothek, denn dort gibt es Internet, das rar gewordene, normalerweise omnipraesente Kommunikationsgut. Liebend gerne versacke ich in kurzen Chatgespraechen mit Menschen aus Berlin, Rostock und Eberswalde und schaffe es dann nicht, alle meine Mails zu lesen, geschweige denn zu beantworten. Irgendwie zum Glueck schliesst die Bibliothek um 5 pm, sonst koennte ich hier noch Stunden, vielleicht Tage verbringen. Anstelle schreibe ich in den letzten zehn Minuten panisch eine Mail an meine Schwester, korrespondiere wegen Unikram und suche nach TAN-Liste und Ueberweisungsdaten um die Miete fuer die geliebte WG in der SW44 zu ueberweisen.

Nach dieser kurzen Episode positiven, selbstgemachten Kommunikationsstress kehrt wieder Ruhe ein. Drei Stunden herumhaengen in und vor der Buzzy Bee bis Sarah, unsere Crewbossin mit dem Van vom Replanting in einem alten Block zurueckkommt.
Wieder im Camp und nach Zusammensitzen und weiteren geteilten Gedanken mit Kyle und John ueber zu Hause, Familie und unseren Lieblingsjob, steige ich gleucklich in mein Zelt, ziehe meinen Schlafanzug (ich liebe dieses Wort) an und merke das etwas fehlt. Mitdenkend, aber nicht vorausschauend hatte ich am Morgen meinen Schlafsack zum Lueften ins Trockenzelt gehaengt. Also in Schlafanzug, Flip Flops und mit meiner Kopflampe bewaffnet noch einmal raus aus dem Zelt. Zum Glueck ist es nicht kalt, ich lausche neben dem Knirschen meiner Schritte auf dem Kiesweg dem Pfeiffen und Zwitschern mir immer noch unbekannter Waldvoegel und nehme die Kopflampe wieder ab, da es auch um halb 12 Uhr abends noch Daemmerungslicht gibt. Ein bisschen wie Schweden, denke ich und so ziehen die Gedanken weiter und begleitenmich mit Schlafsack zurueck zu meinem Zelt und ich koste sie aus bis fast in den Traum, bis mir einfaellt:

Wecker stellen, 6.20 Uhr, morgen ist Alltag, morgen sind ein paar Baeume zu pflanzen.


(geschrieben Ende Juli '11)

Freitag, 19. August 2011

Treeplanting Sountrack



Sphaegnum - Disc 1


U will find it here -> 
http://www.youtube.com/playlist?list=PL3EDB2B34001D5A11





Soil - Disc 2 


U will find it here -> 










Thx DJ Silent Pressure (http://soundcloud.com/djsilentpressure) and Youtube




Donnerstag, 21. Juli 2011

Und taeglich gruesst das Murmeltier

Neulich in einem Park in Montreal:




Geschichte eines Sohns

"Jetzt kannst du das machen, was ich seit den 70ern vorhabe"


Ende Januar 2011, Berlin. Ich sitze in einer spaeten Mittagspause in einem Cafe in Berlin Mitte. Schokokuchen, Fair Trade Tee der vielsagenden Sorte "Wintermischung" und die Botschaft, dass mein Visum fuer Kanada bewilligt ist. Erste Huerde im Verdraengunsprozess der noch kommenden, mehr oder weniger schwer zu nehmenden Organisationseinheiten, genommen, Flug kann gebucht werden und die Familie wird per Rundundkurznachricht informiert.
Es dauert nicht lange und die Antwort meines Pabs laesst mein Mobiltelefon vibrieren.

"Sehr schoen, Heinrich. Jetzt kannst du das machen, was ich seit den 70ern vorhabe. Gruesse, dein Papa."

Kuz und knapp, zeit-, generations- und iPhonebedingt, aber umso bedeutender, denke ich nach einem nicht besonderen Tag auf dem Weg zum Camp, Led Zeppelins Stairway To Heaven kreischt dazu aus den schlechten Vanboxen.


Der Tag beginnt wie immer, die Routine erlaubt ein spaetes Aufstehen um 6.20 Uhr, raus aus dem warmen Schlafsack und dem Thermoschlafanzug, rein in die kalten Arbeitsklamotten. Es ist wohl das erste Mal seit dem grandiosen Alter von 11 Jahren, dass ich einen richtigen Schlafanzug trage, ein tolles Gefuehl!
Die zwei Minuten Weg zum Kitchentrailer sind saukalt, es rettet mich der alte Wollpulli meines Pabs und heisser Kaffee mit Milch.
Essen fuer den Tag: Sandwich (Humus, gesalzene Butter, Gummikaese, Tomate, Salat, Zwiebeln, Gurke, Oliven), zwei Orangen, drei Aepfel, 2 Stueck Kuchen. Noch schnell etwas warmes mit viel Salz heruntergeschlungen und ab gehts mit Proviant und Wasterkanister in den Van, Schaufel und Plantingbags sind noch am Block.

Eine Stunde Fahrt zum Block durch die Waelder Northern Ontarios. Wie Streichhoelzer stehen sie da, die kargen Black Sproose, die zusammen zwar nicht einen nennenswerten Wald, aber irgendwann wohl grandioses Papier ergeben. Eine halbe Stunde Versuch von Schlaf, eine halbe Stunde Vorbereitung auf den Arbeitstag. Das Radio spielt Eric Clapton und spaeter Jimi Hendrix waehrendd Sonnencreme und Bug Reppelent auf Nacken und Nase verteilt, Lippenbalsam aufgetragen und die fuenf Finger der Plantinghand mit Ductape bandagiert werden. Schliesslich Schuhe schnueren und es kann losgehen.
Wirklich heiss bin ich heute und die letzten Tage nicht aufs Pflanzen, ich kann mir besseres vorstellen - Schlafen...
Aber egal, raus, Baeume geschnappt und pflanzen, pflanzen, pflanzen.
Der Tag geht schnell vorbei zu Goa, Electrosets und Avishai Cohen und die Gedanken sind ueberall und nirgends:


Wie waer es zum Beispiel, einfach mit dem Pabs ueber den Teich zu starten, sich ein Caravan zu mieten und durch British Columbia zu touren, vielleicht einen kurzen Abstecher in die Rockies zu wagen? Rumfahren, Natur leben mit kleinem Lagerfeuer am See, Angelkuenste erweitern, zwanzig Buecher lesen und eine in hoffentlichen den meisten Belangen entspannte Vater-Sohn-Zeit geniessen.
Ob das funktionieren koennte? Wahrscheinlich, trotz noch anhaltenden pubertaeren Entwicklungen und einem gewissen Freiheitsdrang der F1-Generation. Und vielleicht dann nicht morgen, aber sicherer als bald. Der Gedanke sei schon mal Zeuge des nahen Erreichen einer weiteren Entwicklungsstufe der Persoenlichkeit.
Man koennte den Highway langbrettern und Ten Years After oder Kyuss so laut hoeren, wie man es fuer angemessen haelt. Einzige entscheidende Anforderung an den Leihwagen, sehr gute Boxen und ein ordentlicher Analog-Digital-Wandler.
Dann aussteigen, Lumix und EOS gezueckt um Baeren zu fotografieren, den Hightech-Campingtisch fuer das Abendessen und das Skat-66-Spiel herausgestellt und Holz fuer das abendliche Lagerfeuer gesammelt. Das Gespraech, begleitet von kaltem Moosehead Bier aus dem caravaneigenen Kuehlschrank, dauert bis spaet in die Nacht. Es behandelt Geschichten, die man sich gegenseitig schon ein paar Mal erzaehlt hat, Ansichten der Moderne und Themen fuer die dann Zeit ist.
Und bestimmt erinnern wir uns gern an Tante Marianne, die immer genau 72 Jahre aelter als ich war und unter Duldung des Regimes Franzoesisch Kanada ein paar Mal bereist hatte.

Irgendwo verlieren sich solche Gedanken und entwickeln neue Kreise, deren Radien Kontaktpunkte zu anderen Themen knuepfen.

So sitze ich im Van und denke ueber meinen Pabs, Musik und eine Tour durch Kanada nach. Der Soundtrack fuer diese Gedanken ist im Kopf perfekt geplant. Und wann immer in unserer shuffle-gepraegten Zeit genau jenes Lied, um das die Gedanken kreisen, aus der 165,4 Gigabyte grossen und 82.796 fassenden Musikbibliothek gespielt wird, dann fuehlt man sich fuer einen Wimpernschlag der Realitaet maechtig ueber den Zufall. Als koennte man fuer moegliche Momente nicht nur die passende Playlist mit Musik fuettern, sondern genau jene Musik fuer den bestimmten Moment auswaehlen.
Ganz ohne Betaetigen des Skiptasters - schoen-bunt-droehnende Glitzerwelt.


Stairway to Heaven, ueberrascht mich in seiner ganzen Praesenz fast mit dem Gedanken, dass ich es zu dem besten zaehle, was es an Musik fuer mich gibt. Daran koennen auch langes Nichtbeachten in der Playlist oder Hypnorex' 8-Stunden-Sets nichts aendern.
Danke an intelligente DJ-Modes in Musikprogrammen, auch wenn ich euch nicht traue.

Also warum nich? Die 70er sind 40 Jahre her, Alter Herr.
Alles Gute.

(geschrieben Anfang Juni '11)

Ein paar Fotos






Erste Woche Treeplanting 
























Zweite Woche Treeplanting



Vierte Woche Treeplanting

Fuenfte Woche Treeplanting


Sechste Woche Treeplanting 


Siebente Woche Treeplanting

 Achte Woche Treeplanting

Freitag, 8. Juli 2011

Neue Bilder - Treeplanting Zweite Woche


irgendwo im wald

ich irgendwo im wald

liegt hier alles rum im wald

see, nebel, wald

maja, tochter der kuechinchefin

lagerfeuer

neal, annie

lagerfeuer, salat

lagerfeuer


lagerfeuer

lagerfeuer

einpacken, camp umziehen, 20 h fahrt

rotkaeppchen

nolan, wasserrohr

packing up

manche tun nich so viel... :)

sarah, crewbossin

andere gucken nur umher

oder hierhin

nolan

john

kyle

andere stehen herum

neue sachen fuer jeden der will von allen die nicht mehr wollen

fisch?

im van, 20 h fahrt vor uns

im van, 20 h fahrt vor uns

im van, 20 h fahrt vor uns

im van, 20 h fahrt vor uns