Weiterhin ein LCBO-Weinladen, der Radeberger und Becks fuehrt, ein The-Beer-Store (beides staatlich) und die Oase der Treeplantergemeinschaft: Die Laundymat Buzzy Bee. Wir verbringen an unseren Days Off viel Zeit in den Laundrymats (70 Treeplanter, je 10 Waschmaschinen und Trockner), besonders wenn das Wetter schlecht ist, aber heute ist ein schoener Tag; Sonne, 25 Grad.
Nachdem eine freie Waschmaschine gefunden ist, gehen wir mit John, Jyle, Gab und Nolan zu Popeye's, wo wir nebem dem Fruehstueck: Kaeseomelette, Bratkartoffeln, Toast, Ketchup, Rosinenbrot;
auch unseren ein wenig ernuechternden Paycheck fuer die ersten zwei Wochen bekommen. Es folgt ein von einem uninspirierten Geschaeft ins naechste Stolpern und zweieinhalb Stunden spaeter und um lebensnotwendige Dinge wie Flip Flops, Kaugummies und Sicherheitsbrille reicher faellt uns ein, das wir lansgam mal die Waesche aus der Waschmaschine in den Trockner packen koennten und nehmen das auch sofort mit voller Energie in Angriff.
Nach getaner Arbeit fuehrt uns der Weg in den fuer mich viel zu grossen Supermarkt der Kleinstadt. Essen fuer heute Abend: Naan-Brot und Spinatcremedip und fuer zwischendurch wahnsinnig gute Reese-Erdnussbutter-Schokotoertchen. Die 20 Minuten Weg durch das langgezogene Geraldton hat sich nicht nur fuer das Essen gelohnt, es gibt hier auch das einzige Muenztelefon der Stadt. Ich lege mich zu anderen Gefaehrten in die Sonne auf den Rasen vor dem Supermarkt und lese das perfekte Kunstprodukt an Buch von Rafael Horzon: "Das weisse Buch", waehrend vor mir drei andere Treeplanter ihre Muetter, Vaeter, Onkel, Tanten, Freundinnen, Hunde, Nachbarn anrufen.
Das Warten ist mir heute egal, ich habe frei, geniesse die Sonne und sinniere in den formschoenen Gedanken Horzons.
Schliesslich am Telefon tausche ich mit beiden Elternteilen kurz das Wichtigste aus, klaere mit der Mama Buerokratisches und rede mit dem Pabs ueber Musik. Wir teilen leider zeitlich begrenzt und raeumlich getrennt die Trauer um meinen 6 Tage zuvor verstorbenen Onkel Ottmar, den kleinen Bruder meines Opas, der mich bei meinem letzten Besuch ziemlich genau vor einem Jahr auf die Idee einer Hitchhikingtour durch Suedschweden mit Franz und Alex, dem Bayer gebracht hat.
Es ist schon ein bisschen unwirklich in so einem Moment weiter weg als gewoehnlich zu sein und zusammen mit John, guten Gespraechen und einem Stopp fuer ein Eis zurueck zur Waescherei zu gehen, um dann doch schon nach weiteren zwei Stunden die Waesche aus dem Trockner zu holen.
Fuer eine Stunde will ich in die Bibliothek, denn dort gibt es Internet, das rar gewordene, normalerweise omnipraesente Kommunikationsgut. Liebend gerne versacke ich in kurzen Chatgespraechen mit Menschen aus Berlin, Rostock und Eberswalde und schaffe es dann nicht, alle meine Mails zu lesen, geschweige denn zu beantworten. Irgendwie zum Glueck schliesst die Bibliothek um 5 pm, sonst koennte ich hier noch Stunden, vielleicht Tage verbringen. Anstelle schreibe ich in den letzten zehn Minuten panisch eine Mail an meine Schwester, korrespondiere wegen Unikram und suche nach TAN-Liste und Ueberweisungsdaten um die Miete fuer die geliebte WG in der SW44 zu ueberweisen.
Nach dieser kurzen Episode positiven, selbstgemachten Kommunikationsstress kehrt wieder Ruhe ein. Drei Stunden herumhaengen in und vor der Buzzy Bee bis Sarah, unsere Crewbossin mit dem Van vom Replanting in einem alten Block zurueckkommt.
Wieder im Camp und nach Zusammensitzen und weiteren geteilten Gedanken mit Kyle und John ueber zu Hause, Familie und unseren Lieblingsjob, steige ich gleucklich in mein Zelt, ziehe meinen Schlafanzug (ich liebe dieses Wort) an und merke das etwas fehlt. Mitdenkend, aber nicht vorausschauend hatte ich am Morgen meinen Schlafsack zum Lueften ins Trockenzelt gehaengt. Also in Schlafanzug, Flip Flops und mit meiner Kopflampe bewaffnet noch einmal raus aus dem Zelt. Zum Glueck ist es nicht kalt, ich lausche neben dem Knirschen meiner Schritte auf dem Kiesweg dem Pfeiffen und Zwitschern mir immer noch unbekannter Waldvoegel und nehme die Kopflampe wieder ab, da es auch um halb 12 Uhr abends noch Daemmerungslicht gibt. Ein bisschen wie Schweden, denke ich und so ziehen die Gedanken weiter und begleitenmich mit Schlafsack zurueck zu meinem Zelt und ich koste sie aus bis fast in den Traum, bis mir einfaellt:
Wecker stellen, 6.20 Uhr, morgen ist Alltag, morgen sind ein paar Baeume zu pflanzen.
(geschrieben Ende Juli '11)
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