Donnerstag, 15. September 2011

Ein Abend mexikanischer Musik

Precopa – Vorgluehen, Warmlaufen, den Abend antesten, ist ein wichtiger Bestandteil der mexikanischen Sonabendnachmittagkultur. So geht man zu 17 Uhr in die Eckkneipe, fuer Eiswuerfel im Glas, soziale Kontakte und um sich geistig und moralisch auf den Abend vorzubereiten. Oder da sind die Salsaklubs, die schon den ganzen Nachmittag tanzen und ebenfalls nach der biologischen Uhr mit Tequila und Eis und Wasser beginnen. Und natuerlich zu Hause mit drei, vier Leuten, die abwechselnd Youtube-DJ sein duerfen, dazu Buntglasbecher mit Whiskey und Eis und Gespraeche ueber den vergangen Abend und Definitionen von Musik.
So fahre ich an einem Samstagnachmittag gegen 18 Uhr mit dem Fahrrad durch die Strassen, was nun moeglich ist, da es vergleichsweise keinen Verkehr gibt. Ohne Kopfhoerer, denn dankenswerterweise ist die Stadt voller Musik. Bis hinaus auf die leeren Strassen schallt die Salsamusik und mit ein wenig Glueck und langsamen Fahrttempo kann man auch einen Blick in die vollen Tanzsaaele*erhaschen. Eigentlich auf der Suche nach Laeden fuer gebrauchte Musikinstrumente, komme ich zwar ohne Ergebnis fuer den urspruenglichen Grund der Stadtrundfahrt, dafuer aber mit Lust auf mehr mexikanische Musik zu Hause an.

Ich bin verabredet, doch Oscar, mein Mitbewohner und Guide durch das Leben in Guadalajara, weiss bessere Plaene fuer mich. Ich disponiere kurz um, lade die Schweizer Matteo und Jonas, zu uns ein und schon sitze ich, meinen Buntglasbecher in der Hand, im Wohnzimmer und wohne einem Vorspiel der Música mexicana bei:

 

Die Exposition uebernehmen JORGE NEGRETE  im Duett mit PEDRO INFANTE zu „Coplas“ (http://www.youtube.com/watch?v=Ec3m2J1n5_4)aus dem Film „Dos Tipos de Ciudado“. Nach weiteren mexikanischen Schlagern wechselt in einem der naechsten Videos die Musik hin zu der Musikvideokunst des spanischen Popartisten TONINO CAROTONE.  „Me Cago En El Amor“ (http://www.youtube.com/watch?v=7tkLc2npBZg) ist hier stilechter Vertreter der mexikanischen 90er. Gefolgt wir dieser spaeter von Salsamusik mit dem wundervollen Youtubelabel „Salsa Music Video Mix“ (http://www.youtube.com/watch?v=Mv1ZsSrE03o) mit fast 8 Millionen Klicks, dessen Musik von Claudia vorgeschlagen wurde. Der Vox-Gitarrenverstaerker schreit sich mit gestiegener Lautstaerke sich nicht nur bei diesem, sondern auch zu dem Electromix von „Canción del Mariachi“ (http://www.youtube.com/watch?v=NAFIthjghaY) seine Transistoren kaputt, um mit den ebenfalls anschwellenden  Stimmen meiner Mitbewohner mitzuhalten. Letzteres Lied ist seineszeichens Titeltrack vom Desperados Soundtrack und wird interpretiert von ANTONIO BANDERAS hoechstselbst und begleitet von LOS LOBOS.

Inzwischen hat eine aeltere Dame durch die brauenen Gitterstaebe unseres  franzoesischen Fenster uns nicht etwa zur Reduzierung der Lautstaerke aufgerufen, sondern fordert uns die Faust erhoben zum Salut auf und gibt uns folgend eine kurze Kostprobe ihrer nicht verlernten Tanzkunst.

Vielleicht von ihr inspieriert, darf auf jeden Fall an an so einem Abend CHAVELA VARGAS nicht fehlen. Mit des Zitterns wuerdiger Stimme und doch sehr eindringlich singt die mexikanische Grand Dame mit costa-ricanischen Wurzeln voller Inbrunst das Frida Kahlo Lied „La Llorona“ 

(http://www.youtube.com/watch?v=0gQ31m4Yt0s). Langsam fuellt sich das Haus. Matteo schaut mit seinem breiten schweizer Grinsen von draussen herein, als der puerto-ricanische Saenger HECTOR LAVORE gerade seinen „El Cantate“ http://www.youtube.com/watch?v=uagxHHVMobY  praesentiert. Und waehrend ich ihm die Tuer oeffne, verlangen zwei mexikanische Maedchen den Eintritt fuer unsere kleine Fiesta. Ein wenig spaeter sitzen dann auch noch ein Freund von Oscar und ein argentinisches Maedchen auf unserem Sofa und stimmen mit ein in den Chor, der eine Sammlung mexikanischer Indifikationsmusik praesentiert.


Ein wenig spaeter am Abend leiste ich meinen materiellen Beitrag und koche Pasta mit Thunfisch und Gemueseallerlei in einer Chili-Limetten-Sahnesauce. Am Herd gibt das erste leichterfallende Gespraech, welches nicht nur Ausdrucksfehler enthaelt, mit dem argentischen Maedchen, Lu. Im Innenhof tanzt Hugo mit den beiden mexikanischen Maedchen und macht seine fehlende Tanzkunst durch Spaesse wett, was sich beides ja gut dank neu gekauften Bier vereinen laesst. Ich zeige Matteo kurz die Wohnung waehrend die Spaghetti kochen, mein noch spaerlich eingerichtetes Zimmer und unsere Dachterasse, von wo man die drei Kirchen mit drei jeweils blauen bzw. roten Neonkreuzen sehen kann. Der Verstaerker kreischt immer noch auf mexikanisch, als das Essen servierfaehig ist und bietet, ein wenig in der Lautstaerke gezuegelt, die perfekte Untermalung fuer das laermende Futtern.
Ich bin an diesem Abend bemerkenswert zurueckhalten mit der Musikwahl, allein MANU CHAOS „Welcome to Tijuana“ 
(http://www.youtube.com/watch?v=MwTbzpBKbD) und RACIONAIS MC’s mit „Magico de Oz“ (http://www.youtube.com/watch?v=n5ZPKY_6lDQ) traue ich mir als eingebettete Vertreter meiner Musikbibliothek zu. Der Hip Hop aus Sao Paulo wird allerdings schnell durch ein Lied zum Mitsingen ersetzt, was ich diesem Moment gerne ueber mich ergehen lasse. Lu fuegt dem ganzen Lieder aus ihrem Austauschjahr in Italien hinzu und singt jene wie vorher einige spanischsprachige mit voller Stimme.
Ein gute Precopa mit neuen Gesichtern und Liedern; Matteo nimmt noch ein Nap und ich bekomme das Versprechen alle Musik des Abends zu erhalten, bevor es auf geht in eine Nacht, die ohne Wert bleibt.


(geschrieben Mitte September '11)


*Das ist, beiseite erwaehnt, die korrekte Schreibweise fuer eine Schrift ohne Umlaute


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen