Nach nem Bierchen bei mir zu Hause gehen Denis, Alex und ich noch raus in die Nacht, die inzwischen angefangen hat, um uns eine nette Bar oder einen netten Klub zu suchen, den Tag ausklingen oder die Nacht beginnen lassen. Wir laufen die Hidalgo herunter hin zur Chapultepec als einhundert Meter vor uns ein Polizeiauto am Strassenrand sichtbar wird, Strasse und Buergersteig sind in Rot- und Blaulicht getaucht. Es handelt sich um einen der Jeep Pick-Ups der Polizei Guadalajara auf dessen Ladeflaeche man hin und wieder mal die Spezialeinheiten mitfahren sieht, gekleidet in schwarze Masken und Ruestungen, dessen Waffen man bei Counterstrike mit dem Tastenkuerzel B-4-4 als Mitglied der GUTEN kaufen konnte.
Wir bleiben weiter im Gespraech vertieft, ohne die Konzentration auf die Szene, die dort vor uns ablaueft, zu verlieren. Wir kommen naeher und erkennen die beiden Polizisten - die Spezialeinheit ist nicht dabei, die Polizei faehrt heute „nur“ Streife. Auf zwanzig Meter herangekommen bricht das Gespraech, nicht abrupt, aber schon situationsbedingt ab. Wir sehen die drei Mexikaner, die an den Polizeiwagen lehnen, die Haende auf dem Ruecken. Im ploetzlich grellen rot-blauen-Partylicht laufen wir unter den Augen der Polizisten mit starr geradeaus gerichteten Blicken wie ungebetene Statisten ueber die Buehne eines Polizeieinsatzes an einem Samstagabend in Guadalajara. Ein erster immer mindestens zwei Koepfe groesser als der Durschnittsmexikaner, ein zweiter mit Dreads und in Outdoorsandalen und ein dritter mit blonden, wallendem Haar, der gerne zur Ablenkung „Sun Is Shining“ pfeiffen wuerde. Nein, ich will morgen keine Zeitungsartikel in Mexiko, Deutschland und Australien und die wird es auch nicht geben. Der Gedanke allerdings existiert. Was passiert, wenn einer der Maenner, die hier so fein ihre Haende hinter den Ruecken halten, die Nerven verliert?
„Krass, wir haetten auch die Strassenseite wechseln koennen, Jungs“, sage ich als wir die Szene verlassen. Nur haben wir es nicht getan. Warum? Weil wir wissen, dass es (zumindestens hier in Guadalajara) nicht so ablaeuft, wie man in den Medien ueber Mexiko versucht zu berichten?
Wohl nicht ganz.
(geschrieben Mitte September '11)
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