Montag, 9. Mai 2011

Toronto - 04/29/11

Ein himmelblauer Balkon soll die Zufluchtstelle sein in Toronto, welches ich zum ersten Mal sehe. Himmelblau in der Konstruktion, aber die Farbe ist ueber die Jahre ausgeblichen und abgeblaettert. Wenn man das ueber den Rest des sogenannten Hostels sagen koennte, waere das nett gemeint.
Ich nenne es liebevoll Hoehle um etwas Geborgenheit mit in die fremde Stadt zu retten, immer soll dies mein zu Hause sein fuer die naechsten zwei, drei Tage. Es ist ein bisschen so wie Tolkien das beschreibt, in dem ein Hobbit eben grade nicht lebt: "In a hole in the ground there lived a hobbit. Not a nasty, dirty, wet hole, filled with the ends of worms and an oozy smell, nor yet a dry, bare, sandy hole with nothing in it to sit down on or to eat: it was a hobbit-hole, and that means comfort." (J.R.R. Tolkien, The Hobbit)
Nicht gewoehnungswuerdig ist der Geruch, der leicht in der Nase beist, wenn man durch die Eingangspforte tritt. Abstossend der Hostelbesitzer, der beim Zeigen meines Doppelstockbetts noch ein wenig Muell vom Boden aufsammelt. Nicht das mich das gross stoeren wuerde, aber fuer 30 Bucks die Nacht schon etwas befremdlich.
Immerhin ein Platz zum schlafen, es aber als anonyme Chance sieht unterzukommen. So auch der dauerhustende Junky in dem Zimmer nebenan, der nicht spricht, mir aber immerhin zeigt, wie die fast saubere Dusche funktioniert und dafuer gerne eine Dose Canadian annimmt.
"Ein Ort um alleingelassen zu werden" denke ich, als ich den Waschbaern beobachte, der in altem Hamburgerpapier nach kulinarischen Hochgenuss sucht.
So ueberlebt man also hier.


Und doch nicht ganz. Der Erdbeer-Bananen-Smoothie im liebevollen Cafe um die Ecke ist verdammt gut und die Innenstadt mit ihrem Glas, Stahl und polierten Mamor ziemlich impressive.
Als ich die Moeglichkeit habe bei Jason, einem ausserordentlichen netten Petkeeper zu couchsurfen, bin ich dann aber doch froh, diesen Ort zu verlassen. Nur sein Make-Up, ich nenne es mal Joker-Imitat, macht mich anfangs eine wenig schuechtern. Aber auch das ist nach gegenseitigen Hilfestellungen beim Herauswuchten einer 8-Feet-Couch aus seiner engen Wohnung und dem darauffolgenden Essen vergessen. Vielen Dank fuer einen netten Abend.

Und Bin Laden ist tot. Ist es verwerflich auch dafuer zu danken? Die Amerikaner und auch die Kanadier tun denken wohl nein. Zehn Jahre sogenannter Krieg gegen Terror findet hiermit sicher nicht seinen Abschluss, aber nehmen Anspannung, wie gewonnene Schlachten in bis dato bekannten langwierigen Kriegen.


"Endlich" wieder friedlich einschlafen, wie ich es eine Nacht spaeter bei Jenna und Matt, in dem wohl weichestens und zugleich angenehmsten Bett in dem ich je geschlafen habe, tue.
Traeumt man in diesem Sinne nun von Frieden, von einer schoenen Frau oder von der persoenlichen Bestleistung von 3000 Seedlings a day?
Ich werde versuchen mich zu entscheiden.

1 Kommentar:

  1. Jede einzelne Zeile zaubert mir ein Schmunzeln ins Gesicht. Großartig ♥

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